3 von 3Sind Christen Heuchler? (Folge 5) · 3 Kapitel

5.3 Sind Christen nicht mehr auf dem Laufenden?

Ein Leben in Angst kann dich davon abhalten, echte Beziehungen zu anderen Menschen einzugehen.

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1 John 4:18
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Angst behindert uns oft in sehr unangenehmer Weise. Sie kann uns an der Verwirklichung unserer Träume hindern. Sie kann uns das Gefühl geben, wir seien nicht gut genug. Angst kann uns auch von richtigen Entscheidungen abhalten. Deshalb stört Angst auch immer wieder unser Glaubensleben. C.S. Lewis sagte einmal treffend: Ein Christ, der sich zu sehr mit der Ewigkeit beschäftigt, ist nicht alltagstauglich. Es scheint, als ob manche das Gebot Jesu darüber missverstehen, in der Welt zu leben, aber nicht von der Welt zu sein. Solche Menschen reden sich ein, dass der christliche Lebensstil ein Lebensstil der Sicherheit ist, ein unantastbarer Schutzraum, und dass die alltägliche Welt um sie herum etwas ist, vor dem man Angst haben muss, und vor dem man sich in jedem Fall schützen muss. Das Problem mit diesem Verständnis des Lebens ist, dass es das Leben und andere Menschen aussen vor hält, und uns der Fähigkeit beraubt, einen Unterschied zu machen. Und so entsteht das Klischee des Christen, der nur angsterfüllt lebt. Wenn Jesus irgendwann in seinem Leben der Angst nachgegeben hätte, wäre er nicht jenen begegnet, die seine Hilfe am meisten brauchten oder er hätte niemals seine Stimme erhoben für die Unterdrückten gegen die religiösen Leiter. Er wäre niemals nach Jerusalem gereist im Wissen, dass auf ihn dort der Tod wartete. Einer der Jünger Jesu, nämlich Johannes, formulierte eine kraftvolle Aussage in einem seiner Briefe an die frühe Kirche. Nämlich: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus.“ Versteht mich bitte nicht falsch. Ich behaupte nicht, dass Christen jeglicher Angst gegenüber immun sind, doch je mehr wir Gottes Liebe zu uns verstehen und darauf vertrauen, desto weniger Macht hat die Furcht über uns. Je mehr wir wissen, dass wir geliebt sind, desto weniger haben wir Angst davor, uns richtig zu entscheiden, oder davor, zu scheitern oder abgelehnt zu werden. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass immer dann, wenn ich mich um die Anerkennung anderer bemühte, ich am unsichersten war. Immer dann, wenn ich versuchte, mir die Liebe anderer zu verdienen durch Gefälligkeiten. Doch je mehr ich in das Bewusstsein hineinwuchs, mich in Gottes Liebe geborgen zu wissen, wurde ich selbstbewusster, weniger ängstlich. Bildlich gesehen, gibt es zwei Wege, wie ich mein Leben Gott widme. Entweder ich trage diesen weißen Anzug, in der Angst, dass ich am Ende beurteilt werde, wie unbefleckt ich ihn gehalten habe. Mit einem solchen weißen Anzug kann ich niemandem helfen, zum Beispiel den Reifen zu wechseln. Oder ich kann eine junge Dame nicht nach Hause fahren, die leicht alkoholisiert ist. Sonst könnte der gute Anzug ja etwas abbekommen. Oder ich betrachte mein Leben als ein Licht. Ich bin ein Licht, das dorthin scheint, wo Menschen im Dunkeln stehen. Ein Licht, das dort Liebe verbreitet, wo Liebe schwer zu finden ist. Ein Licht, das denen Hoffnung schenkt, die alle Hoffnung verloren haben. Ein Licht, welche Menschen sichtbar macht, die nicht mehr beachtet wurden. Jesus erzählte auch zu diesem Thema ein Gleichnis, das es auf den Punkt brachte. Das Gleichnis des barmherzigen Samariters. Es geht um einen Mann, der auf einer Straße wie dieser von Jerusalem nach Jericho wanderte. Auf dieser Strecke wird er plötzlich von Banditen überfallen. Man beraubt ihn völlig und lässt ihn halbtot liegen im Straßengraben. Es kommen nun zunächst ein Priester und dann ein Levit vorbei. Beide haben wichtige Funktionen im jüdischen Tempel. Sie jedoch wollen dem Verletzten nicht helfen und wechseln die Straßenseite, was Jesus als kleinen Witz einbaute, denn diese Straße ist echt eng und kurvig. Eine „andere Straßenseite“ gab es nicht. So haben wohl diese wichtigen religiösen Führer umständlich um diesen Verletzten herumklettern müssen. Warum lassen sie ihn liegen? Ich hatte das ja erwähnt - sie wollten nicht durch die Berührung von Kranken, Sterbenden oder Toten so unrein werden, dass sie noch nicht einmal wieder den Tempel betreten konnten. Der Glaube dieser religiösen Männer bestand also darin, den Verletzten zu ignorieren, damit sie rein bleiben konnten im Sinne ihrer religiösen Pflichten. Dann jedoch kommt der Held dieser Geschichte vorbei. Nämlich ein Samariter. Viele Juden verachteten Samariter, weil sie anderen religiösen Regeln folgten. Er ignoriert den Verletzten nicht. Er hilft ihm, er leistet Erste Hilfe, bringt ihn in eine Herberge und bezahlt den Arzt. Der Priester und der Levit waren so auf ihre religiöse Perfektion bedacht, dass sie keine Nächstenliebe mehr in sich trugen. Und Christen, die die Bibel oder die Lehren Jesu missverstehen, stiften nur Verwirrung und erzeugen im Grunde Egoismus. Der Samariter jedoch praktiziert Nächstenliebe wie selbstverständlich. Gleichnisse wie diese lösen die negativen Klischees über Christen auf. Und sie erinnern mich daran, worum es bei der Nachfolge von Jesus wirklich geht, Um das Leben in Fülle. Nicht um ein Leben aus Angst. Sondern aus Nächstenliebe.
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