Sind Christen Heuchler? (Folge 5)·1 von 3

5.1 Was ist authentischer Glaube?

Ein authentischer Christ zu sein bedeutet, eine freundliche Einstellung zu haben, aber auch bereit zu sein, echte Gefühle zu zeigen.

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Mark 3:5
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German, Standard (Deutsche)
Manchmal fällt es mir schwer, über meinen Glauben zu sprechen. Einer der Gründe ist, dass es so viele negative Klischees über Menschen gibt, die glauben. Und leider treffen diese Klischees oft direkt ins Schwarze, weil es Extremisten und Fanatiker gibt und gab, die sehr schlimme Dinge tun, die sie angeblich im Namen Gottes ausführen. Auch das Christentum ist mit Klischees verknüpft, wobei ich mich von manchen strikt distanzieren möchte. Etwa „immer lieb und freundlich“ zu sein. Nun, „nett“ zu sein ist sicherlich nichts Schlimmes. Ja, doch: Seien wir nett zueinander! Doch wenn ich nur ein netter Gläubiger bin, der keine wahren Gefühle oder Leidenschaft für das zeigt, was richtig ist , dann ist das nicht gut. Oder wenn ich einfach nur nett bin und mich bis zur Schmerzgrenze ausnutzen lasse, dann ist das auch sinnlos. Dieses allgemein falsche Bild des christlichen Glaubens wird am besten von „Ned Flanders“ aus der legendären Zeichentrick-Serie „Die Simpsons“ zusammengefasst. Er ist so religiös, so nett, so freundlich, zumindest äußerlich. Doch innerlich kocht er vor Ärger und Wut auf Homer, will dies verbergen und steht doch stets kurz vor einem Wutausbruch. Das ist sicherlich keine gesunde Haltung. Der Glaube, wie Jesus ihn vorgelebt hat, ist in Wirklichkeit etwas Authentisches, etwas Herausforderndes, etwas Abenteuerliches. Ein Leben, in dem deine Wünsche und Emotionen nicht ein Geheimnis sind, das verborgen werden müsste, sondern eine Energie, die eingesetzt werden kann, um Veränderung zu bringen. Zum Beispiel hilft mir gerade der Glaube, dass ich meinen Ärger ausdrücken kann. Üblicherweise denken wir, dass es sich bei Ärger um eine egoistische und vernichtende Emotion handelt – was er oft auch ist. Doch Ärger an sich ist weder gut noch schlecht. Worauf es ankommt ist: Was ärgert dich? Und: Wie gehst du mit deinem Ärger um? Rastest du aus und entflammst in einem fürchterlichen Zorn wenn jemand zu viel Käse in dein Hähnchen-Sandwich schmeisst? Das ist ein Beispiel ungesunden Ärgers. Wem das passiert, der muss an sich arbeiten. Doch es gibt Dinge, über die wir uns ärgern sollten. Zum Beispiel Ungleichheit, Ungerechtigkeit, Armut, Unterdrückung. Wenn ich über Jesus lese, dann sehe ich, dass er hier kein Blatt vor den Mund nahm. Und er blieb nicht einfach nur freundlich. Ungerechtigkeit machte ihn wütend. Doch sein Ärger brachte stets Veränderung. Im Markusevangelium wird Jesus ärgerlich auf Religionsführer, deren Glaubenskonzepte in eine völlig verkehrte Richtung wiesen. Sie waren überzeugt, dass niemand am Sabbat arbeiten durfte, am Tag der Ruhe – und somit waren dann auch Heilungen verboten. Sie hätten in aller Ruhe Menschen leiden lassen, auch wenn ihnen nur zu gut bekannt war, dass Jesus ein Heiler war. Einmal an einem Sabbat, als Jesus einen Mann mit einer verkrüppelten Hand sah und ihn heilen wollte, flüsterten die Religionsführer gehässig miteinander und warteten nur auf eine Gelegenheit, Jesus zu verurteilen. Das machte zu Recht Jesus wütend denn ihr Verständnis des Gehorsams gegenüber dem Gesetz war ihnen wichtiger als die Hilfsbedürftigen zu lieben und ihnen zu helfen. Jesus ließ sich davon nicht beeindrucken und vollzog die Heilung. Das ist das Interessante an Ärger und Liebe. Der Ärger von Jesus drückte sich aus in der Liebe gegenüber dem Mann. Und die Liebe von Jesus drückte sich aus im Ärger gegenüber den Pharisäern. Indem er wütend auf sie wird und sich ihnen widersetzt, hält er ihnen gewissermaßen einen Spiegel vor und sagt: „Was nur aus Euch geworden ist. Das ist doch unter eurer Würde." Und das ist nicht das einzige Mal, dass Jesus wütend wurde. Als er einmal auf Menschen stieß, die den Tempel, das Gebetshaus Gottes, als Marktplatz und Shopping Center missbrauchten, anstatt ihn als Ort der Anbetung zu betrachten, wurde er wütend. Er stieß ihre Stände um und warf jeden Geschäftsmann aus dem Tempel. Jesus rastete hier nicht etwa völlig aus oder verurteilte den Handel als solchen. Diese Geschäftsleute hatten es einfach völlig übertrieben und wer den Preis zahlte, waren die Armen. Sie störten alle jene die versuchten, sich mit Gott an diesem speziellen Ort in Verbindung zu setzen. Jesus war leidenschaftlich daran interessiert, dass niemand am Gebet und der persönlichen Begegnung mit Gott behindert wird. Auch ließ Jesus sich es nicht nehmen, seine Liebe für die Hilfsbedürftigen durchzusetzen. Der „nette Christ“ ist sicherlich nett und lieb und religiös, doch darum geht es im Christentum nicht. Wenn der Glaube ein Schwimmbad wäre, wäre das der Typ mit den Speedos, dem pinken Armband, der am Rand steht und seine Zehen ins Wasser taucht. Jesus nachzufolgen verlangt alles von mir. Ich werde zum Taucher.
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