1 von 3Ist Gott gut? (Episode 6) · 3 Kapitel

6.1 Wo war Gott?

Wenn wir emotional auf Leid reagieren, zeigt das, dass uns jemand wichtig ist... sonst würden wir in einer Welt ohne Liebe leben.

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Hebrews 4:15-16
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Transkript

German, Standard (Deutsche)
Ob ich zu Schülern spreche, lebenslangen Freunden oder Menschen, die ich im Alltag treffe. Ein Gegenargument gegen den christlichen Glauben kommt immer wieder zur Sprache und aus vielerlei Gründen ist es hart zu widerlegen. Die Frage lautet: Gott ist ja ein Gott der Liebe. Und allmächtig. Warum gibt es dann so viel Leid und Böses in der Welt? Einfache Antworten hierauf gibt es nicht. Andere Fragen und Kritikpunkte bezüglich des christlichen Glaubens können offen diskutiert werden, doch das Leid betrifft uns emotional. Und so haben jene Gespräche stets eine emotionale Dimension. Wenn wir über das Leid sprechen, könnten wir doch einfach Gott unerwähnt lassen und uns sagen, dass das meiste Leid sich aus der Evolutionstheorie begründet. Es geht um das Überleben des Stärkeren, so dass die Schwächeren ausgemerzt werden müssen. Doch im 21. Jahrhundert sprechen wir so nicht über das Leid. Stell dir zum Beispiel einmal vor, jemand würde bei einer Beerdigung als Teil der Grabrede sagen, dass nun einmal die Schwächeren sterben und die Stärkeren überleben. So ist das Leben nun mal. Die Beerdigungsgäste würden miteinander tuscheln: „Meint der das ernst?“ Oder manchmal ärgern wir uns über einen Gott, an den wir nicht glauben, weil die Welt sich anders dreht, als wir es gerade wollen. Das Leid und das Böse empfinden wir als störend, weil wir alle diese gemeinsame Sicht haben, dass das Leben wertvoll ist und dass unsere Existenz eine Bedeutung hat. Und so machen Fragen über das Leid tatsächlich mehr Sinn, wenn wir annehmen, dass es Gott gibt. Wir fragen nicht: Gibt es einen Gott? Sondern: Wo bist du, Gott? Oder besser: Wo warst du, Gott? Das Leid trifft uns mit aller Macht mitten ins Herz und wirft Fragen auf, die wir noch nicht kannten. Solche zentralen Fragen müssen gestellt und behandelt werden. Manche stellen die Frage kurz und prägnant. Warum, Gott? Warum? Für andere sind das Beziehungsfragen. Gott, warum lässt du sie das tun? Insbesondere, wenn Nahestehende leiden. Dass wir andere Menschen lieben, löst genau dann diesen Schmerz in uns aus. Wenn diese Menschen uns egal wären, wären wir dann überhaupt betroffen? Das ist der Preis dafür, in einer Welt zu leben, in der es möglich ist, Liebe zu zeigen und zu erfahren. Denn Liebe ist eine Entscheidung. Wenn jemand zu dir sagt: „Ich liebe dich“, dann sind diese Worte voller Bedeutung, weil sie dem freien Willen entstammen. Doch wenn du herausfindest, dass ein Mensch gezwungen wird oder darauf programmiert wurde, dich zu lieben, dann sind diese Worte nur eine leere Hülle. In einer solchen Welt können Menschen auch Handlungen begehen die lieblos oder sogar mutwillig zerstörerisch sind. Somit danke ich Gott einerseits, dass er uns den freien Willen gab. Doch andererseits kämpfe ich damit, dass wir betroffen sind von den Konsequenzen menschlicher Entscheidungen, wie zum Beispiel betrunken Autofahren, Mord oder extremistischen Handlungen. Manche Fragen jedoch bleiben schwer zu beantworten, insbesondere wenn das Leid nicht mehr menschlich verursacht wurde, wie zum Beispiel bei Naturkatastrophen oder Krankheiten wie Krebs. Ich schöpfe jedoch Hoffnung aus der einzigartigen Perspektive des Christentums: Gott wurde Mensch und litt in unserem Namen. In Jesus kommt Gott in unsere Welt, hier kann er unseren Schmerz fühlen. Jesus weiß, wie es ist, missverstanden, betrogen und geschlagen zu werden. Und am Kreuz erfährt er, wie es ist, allein gelassen zu werden. Ein biblischer Autor sagt hier: Jesus hat ein Herz für unsere Schwächen, weil er weiß, was es heißt, die uns eigenen Erfahrungen zu durchleben. Das Leid und der Glaube passen nicht leicht in einen Rahmen. Einige stellen sich vor, dass Gott ein Soziopath im Himmel ist, der sich sagt, Schmerz gehört zum Leben und wir müssen es ertragen. Doch der Gott, den wir in Jesus finden, ist anders. Ebenso der Gott in den biblischen Erzählungen. C.S Lewis sagt, dass Freundschaft genau dann entsteht, wenn einer zum anderen sagt: Was denn, du auch? Ich dachte, ich wäre der einzige. In Jesus sehen wir einen Gott, der unseren Schmerz fühlt. Er sagt: Ja, ich fühle es auch.
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