Ist Gott gut? (Episode 6)·2 von 3

6.2 Warum ist mir das passiert?

Wenn wir leiden, ist die Versuchung groß, sich zu fragen, wo Gott war und warum er es nicht verhindert hat.

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Isaiah 53:4
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Transkript

German, Standard (Deutsche)
Ich wurde in Nordirland geboren und arbeitete als Polizist am Höhepunkt der großen Unruhen. Das war eine schlimme Zeit für jede Stadt in Nordirland. Und inmitten all dieser Tumulte und Gewalt überlebte ich drei Bombenanschläge. Beim letzten verlor ich beinahe den Arm und Ärzte sagten mir, dass ich eigentlich hätte sterben können. Mein Ellbogen war zerschmettert, Teile meines Arms hingen nur lose da. Chirurgen wollten bereits amputieren, doch ich wusste, dass Gott den Arm heilen wird. Man sandte mich in drei Krankenhäuser, bis endlich ein Chirurg den Arm retten wollte, aber sagte, ich würde ihn nicht mehr bewegen können. Doch heute - allen Unkenrufen zum Trotz - kann ich voll gebrauchen. Ich wurde aus medizinischen Gründen aus dem Polizeidienst entlassen, und dachte, schlimmer könnte es nicht mehr kommen. Doch fünf Jahre später fuhr ich nach Hause mit meiner Frau und mit meinen zwei Töchtern und geriet in einen tragischen Autounfall. Meine Frau und meine jüngste Tochter starben, und meine Älteste blieb einseitig gelähmt. Nach 10 Tagen wachte ich aus dem Koma auf und erfuhr, dass man mich auf dem Weg zum Krankenhaus fünfmal wiederbelebt hatte. Mein Schädel hatte eine Fraktur. Ich hatte Brüche an Augenhöhle, Nase, Kiefer, Schulter und Rippen, und meine Lunge war durchstochen. Der Chirurg hatte der Familie erzählt, ich würde nicht mehr aus dem Koma erwachen. Ich hatte ein Nahtoderlebnis, und viele glauben dies sicher kaum, doch für mich war es real. Ich erlebte Jesus. Seine Liebe, seinen Frieden zu spüren, überwältigte mich. Meine Mutter teilte mir dann die Todesnachrichten von meiner Frau und meiner Tochter mit. Am liebsten hätte ich mich gleich wieder zurück ins Koma geflüchtet. Doch die Überlebensnachricht meiner Ältesten gab mir den Überlebens- und Heilungswillen. Meine Trauer, mein Schmerz lässt sich von da an kaum in Worte fassen. Die Begegnung mit Jesus hat nicht alles wieder geheilt oder mir alle Antworten gegeben. Doch sie war für mich in zweierlei Hinsicht entscheidend. Ich erhielt die absolute Gewissheit, dass Jesus mich in meinem Leiden begleitet und weil mein Körper - und meine Tochter ebenso - vollständig heilten, erhielt ich die Gewissheit, dass Gott größer war als mein Leiden. Fünf Wochen nach dem Unfall gingen meine 4-jährige Tochter und ich aufrecht nebeneinander her. Wir sahen beide voller Hoffnung einer guten Heilung entgegen. Ich kenne eure Geschichten nicht. Insbesondere nicht eure Leidensgeschichten. Vielleicht ähneln sie der meines Freundes David. Meiner Erfahrung nach jedoch können manchmal Menschen mit den besten Absichten das Schlimmste sagen. Deine Beziehung geht in die Brüche und einer sagt: „Endlich! Darüber kommst du hinweg. Es gibt überall schöne Frauen!“ Dann würdest du am liebsten schreien: Ich hasse Frauen und ich will nicht darüber hinwegkommen. Dann wird einer sagen. alles wird gut, keine Sorge. Und ich weiß, das klingt jetzt ein wenig scharf, doch du willst, dass solche Leute einfach den Mund halten, weil du nicht willst, dass alles gut wird. Du willst nicht, dass sich etwas ändert. Du willst, dass alles wieder so ist, wie es war. Menschen haben gute Absichten, meinen es gut, doch manchmal sagen sie das Falsche. Wir müssen uns alle darüber klarwerden, dass wir in Zeiten des Leidens weniger sagen müssen und einfach unsere Unterstützung anbieten, indem wir für einen Menschen da sind. Im Johannesevangelium schicken Maria und Marta, gute Freundinnen von Jesus, dass ihr Bruder Lazarus todkrank sei. Sie sind seine Freunde und wissen, dass er der richtige Helfer in Lebenskrisen ist. Doch als Jesus im Dorf ankommt, ist Lazarus bereits verstorben. Die Familie hat seine Leiche eingewickelt, weinend eine Beerdigung abgehalten und ihn in einer Katakombe bestattet. Als Jesus sich dem Haus nähert sagen Maria und Marta unabhängig voneinander dasselbe. Jesus, wenn du rechtzeitig gekommen wärest, würde Lazarus noch leben. Du hast so etwas gesagt, ich auch. Nicht in denselben Worten, doch wie die Schwestern klagen auch wir Gott an, dass er abwesend und nicht beteiligt war. Jesus verteidigt sich nicht. Er wird nicht ärgerlich. Er sagt nicht: Ich bin Gott. Ich kann tun, was ich will. Nein, es heisst, dass Jesus weint. Ihr kennt sicherlich diese Lazarus-Geschichte schon und wisst, dass Jesus ihn wieder zum Leben erweckt. Das Wunder geschieht bald und alles ändert sich. Doch als die Frauen trauern, Schmerz, Wut und Tränen ausdrücken, weint Jesus auch. Er fühlt ihren Schmerz. Und so habe ich gelernt, wie Gott auf das Leiden reagiert. Genau das hat mein Freund David erfahren. Jesus ist Gott, der nicht nur für uns litt, sondern auch mit uns gemeinsam leidet.
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